Ausgerechnet der Trainer, mit dem er im Mai noch Meister wurde, ist jetzt sein größter Gegenspieler. Cristiano Ronaldo hat den Lehrgang der portugiesischen Nationalmannschaft verlassen und dafür eine Sperre kassiert. In Riad dagegen feiern sie ihn, als wäre nichts gewesen.
Was ist passiert?
Mitten in der letzten Länderspielpause packte Ronaldo seine Sachen und reiste ab. Auslöser war ein Streit mit Nationaltrainer Jorge Jesus über seine Einsatzzeiten in der Nations League. Ronaldo hatte offenbar fest damit gerechnet, zu bestimmten Spielen auf dem Platz zu stehen. Als es anders kam, zog er die Konsequenzen und verließ das Team.
Ein paar Tage später legte er nach: In einer langen Erklärung warf er Jesus vor, sich nicht an das gehalten zu haben, was zwischen den beiden abgesprochen war. Für einen Spieler, der seit über zwei Jahrzehnten das Gesicht des portugiesischen Fußballs ist, sind das ungewöhnlich deutliche Worte gegen den eigenen Trainer.
Die Pointe: Jesus und Ronaldo sind eigentlich ein Erfolgsduo
Was die Geschichte so besonders macht: Die beiden kennen sich bestens. Jorge Jesus war bis zum Sommer Trainer von Al-Nassr, und gemeinsam holten sie im Mai die saudische Meisterschaft. Danach wechselte Jesus auf die Bank der Nationalmannschaft. Viele hatten erwartet, dass Ronaldo davon profitiert. Stattdessen ist es nun ausgerechnet dieses Verhältnis, das zerbrochen ist.
Die Folgen: Sperre, Entschuldigung, offene Zukunft
Der portugiesische Verband hat schnell reagiert und den 41-Jährigen gesperrt. Ronaldo selbst ruderte teilweise zurück: Er entschuldigte sich bei seinen Mitspielern, kündigte an, die Strafe zu akzeptieren, und betonte, dass er weiter für Portugal spielen will. Wie es zwischen ihm und Jesus weitergeht, ist allerdings völlig offen.
Ganz neu ist so ein Konflikt nicht. Ronaldo ist in seiner Karriere schon mehrfach mit Trainern aneinandergeraten, wenn er sich zu wenig berücksichtigt fühlte. Mit 146 Toren in 234 Länderspielen hat er für Portugal Rekorde aufgestellt, die wohl lange halten werden. Genau deshalb wiegt jeder Streit mit ihm so schwer.
In Riad stehen die Fans hinter ihm
Während in Portugal diskutiert wird, gab es bei Al-Nassr nur Rückendeckung. Beim ersten Spiel nach seiner Abreise empfingen ihn die Fans herzlich, und Ronaldo lieferte prompt. Gegen Al-Diriyah traf er in der 23. Minute: Kingsley Coman zog aus der Distanz ab, Torwart Waleed Abdullah konnte den Ball nur abwehren, und Ronaldo staubte aus kurzer Entfernung ab. Es war sein 980. Tor als Profi.
Der Portugiese Samú Costa erhöhte noch vor der Pause, Coman machte in der 77. Minute das 3:0 perfekt. Damit zog Al-Nassr nach Punkten mit Spitzenreiter Al-Qadsiah gleich, nur die Tordifferenz trennte die beiden zu diesem Zeitpunkt.
Wie geht es weiter?
Sportlich läuft es für Ronaldo also weiter, und die Marke von 1.000 Toren rückt näher. Die spannendere Frage ist aber eine andere: Findet er mit Jorge Jesus wieder zusammen, oder war das der Anfang vom Ende seiner Zeit in der Nationalmannschaft? Sicher ist nur, dass die nächste Kaderbekanntgabe Portugals mit Spannung erwartet wird wie selten zuvor.
Quellen: ESPN, Al Jazeera
Titelbild: Mehdi Marizad, Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (Archivbild 2023)
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