Es ist der 9. März 2004, tief in der Nachspielzeit im Old Trafford. Manchester United führt gegen den FC Porto mit 1:0 und steht vor dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Dann läuft ein langer Ball in den Strafraum, Torhüter Tim Howard kann einen Freistoß von Benni McCarthy nicht festhalten, und Mittelfeldspieler Costinha staubt zum Ausgleich ab. Porto zieht mit 3:2 nach Gesamtwertung weiter – und ein junger Trainer namens José Mourinho rennt jubelnd die gesamte Außenlinie entlang. Dieses Bild sollte zur Ikone werden und den Beginn einer der größten Außenseitergeschichten des europäischen Fußballs markieren.
Der Aufstieg unter Mourinho
Mourinho hatte Porto erst im Januar 2002 übernommen, nachdem der Klub zunächst im Mittelfeld der portugiesischen Liga festhing. Innerhalb weniger Jahre formte er aus einem Kader ohne große internationale Stars eine der laufstärksten und diszipliniertesten Mannschaften Europas. 2003 gewann Porto bereits den UEFA-Pokal, den Vorläufer der heutigen Europa League, und legte damit das Fundament für den noch größeren Coup ein Jahr später.
Zwei Giganten auf dem Weg nach draußen
Der Sieg gegen Manchester United war dabei nur der Anfang. Auf dem Weg ins Finale schaltete Porto mit den Red Devils einen der großen Namen des europäischen Fußballs aus, während im anderen Teil des Tableaus der AS Monaco für die nächste Überraschung sorgte und den neunfachen Champion Real Madrid aus dem Wettbewerb warf. Beide Finalisten hatten damit bewiesen, dass sie auch gegen etablierte Schwergewichte bestehen konnten.
Das Finale von Gelsenkirchen
Am 26. Mai 2004 trafen beide Teams schließlich in der Arena AufSchalke in Gelsenkirchen aufeinander – für Porto das erste Endspiel im Europapokal der Landesmeister beziehungsweise in der Champions League seit 1987, für Monaco überhaupt die erste Teilnahme an einem Finale dieses Wettbewerbs. Carlos Alberto brachte Porto in der 39. Minute in Führung, ehe Deco in der 71. Minute nachlegte. Dmitri Alenichev setzte vier Minuten später mit dem 3:0-Endstand den Schlusspunkt. Die Partie geriet nie wirklich in Gefahr, Porto kontrollierte das Spiel über weite Strecken nach eigenen Vorstellungen.
Eine Mannschaft, die danach auseinanderfiel – und weltweit Karriere machte
Mehrere Spieler jener Porto-Mannschaft wechselten in den Folgejahren zu den größten Klubs Europas. Deco ging zum FC Barcelona, Ricardo Carvalho und Paulo Ferreira folgten Mourinho zum FC Chelsea, wohin der Trainer selbst nur wenige Wochen nach dem Finaltriumph wechselte. Der Erfolg von Gelsenkirchen wurde damit zur Startrampe für eine ganze Generation portugiesischer und brasilianischer Spieler, aber auch für Mourinhos eigene Karriere, die ihn danach zu Chelsea, Inter Mailand, Real Madrid und Manchester United führte.
Ein Triumph, der bis heute einzigartig ist
Bis heute ist der Finalsieg von Porto 2004 das letzte Mal, dass ein Klub außerhalb der fünf großen europäischen Ligen – England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich – die Champions League gewonnen hat. Diese Tatsache allein macht deutlich, wie außergewöhnlich der Erfolg war und wie schwer es inzwischen für Vereine aus kleineren Ligen geworden ist, sich gegen die finanzstarken Topklubs durchzusetzen.
Die Gegenwart: Porto so stark wie lange nicht
Mehr als zwei Jahrzehnte später erinnert die aktuelle Form von Porto wieder an jene goldene Zeit. Der portugiesische Meister ist mit einer makellosen Bilanz in die neue Saison der Primeira Liga gestartet und führt die Tabelle mit deutlichem Vorsprung vor Benfica an. Parallel dazu trifft der Klub in dieser Woche auch im Halbfinale der Taça da Liga auf denselben Rivalen – ein Doppelduell, das zeigt, wie sehr Porto wieder an der Spitze des portugiesischen Fußballs mitmischt.
Warum die Geschichte weiterlebt
Für viele Fans bleibt Mourinhos Sprint an der Linie von Old Trafford das Sinnbild dafür, dass im Fußball auch kleinere Klubs mit Mut und Disziplin die ganz Großen schlagen können. Die Geschichte von Porto 2004 wird deshalb bis heute erzählt, wenn es darum geht, wie ein Außenseiter mit der richtigen Idee und einem jungen, hungrigen Trainer den europäischen Fußball für einen Sommer auf den Kopf stellen konnte.
Quellen: Wikipedia – 2004 UEFA Champions League final, bleacherreport.com, uefa.com
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