Fenerbahçe hat sich gegen Slavia Prag in der Champions League um einen Sieg gebracht, der längst sicher schien. Nach einer 2:1-Führung kassierte die Mannschaft von İsmail Kartal in der allerletzten Minute noch den Ausgleich zum 2:2. Für den Trainer, der schon im September um sein Amt bangen musste, könnte es die unpassendste Woche für einen solchen Rückschlag sein, denn am Montag steht das Derby gegen Galatasaray an.
Zittern bis zur Schlusssekunde
Fenerbahçe erwischte gegen Slavia Prag einen Blitzstart: Oğuz Aydın brachte die Gelb-Lacivert-Farben bereits in der 4. Minute in Führung, nur sieben Minuten später erhöhte Mason Greenwood auf 2:0. Die Prager kamen durch Provod in der 15. Minute zwar zurück ins Spiel, Fenerbahçe verteidigte die knappe Führung jedoch bis in die Nachspielzeit. Erst dort, in der 90. Minute, traf Kacor zum schmerzhaften 2:2-Endstand. Zwei Punkte, die angesichts der ohnehin wackligen Defensive schwer wiegen: In drei Champions-League-Spielen hat Fenerbahçe bereits neun Gegentore kassiert, in acht Süper-Lig-Partien waren es im Vergleich nur sechs.
Die Vorgeschichte: Flaschenwurf beim Comeback in Rom
Es ist nicht die erste Krise des Trainers in dieser Spielzeit. Anfang September, beim 1:1 gegen die AS Rom – Fenerbahçes erstes Spiel in der Champions League nach 18 Jahren Abwesenheit – flog während der Partie eine Flasche in Richtung Kartal und traf ihn am Kopf. Noch am selben Abend kündigte der Trainer seinen Rücktritt an. Erst nach einem rund zweistündigen Gespräch mit Fußballdirektor Oğuz Çetin und einer vierstündigen Vorstandssitzung, in der Vereinspräsident Aziz Yıldırım persönlich mit Kartal telefonierte, blieb der Trainer im Amt. Yıldırım wurde damals deutlich: „Man erreicht das nicht, indem man dem Trainer eine Flasche an den Kopf wirft. Das ist schändlich!“ Der Verein veröffentlichte eine offizielle Erklärung, wonach Kartal weiterhin im Amt sei.
Jetzt zählt nur noch das Derby
Sechs Wochen später ist die Lage erneut angespannt. Nach dem Remis gegen Slavia Prag wurden in der Fankurve wieder Rücktrittsrufe laut, aus der Vereinsführung kam zunächst keine Stellungnahme. Laut türkischen Sportmedien will das Fenerbahçe-Management nun das Ergebnis des Istanbuler Derbys abwarten, ehe über Kartals Zukunft entschieden wird: Ein schlechtes Resultat gegen den Erzrivalen soll demnach direkte Konsequenzen haben. Der türkische Fußballverband hat bestätigt, dass die Partie wie ursprünglich geplant am Montag, den 26. Oktober, um 21:30 Uhr türkischer Zeit stattfindet – Gerüchte über eine Verlegung auf einen anderen Termin bestätigten sich nicht.
Ausblick
Kartals bisherige Bilanz bei Fenerbahçe kann sich mit 17 Spielen, neun Siegen, fünf Remis und drei Niederlagen eigentlich sehen lassen. Doch in einem Verein, in dem der Präsident öffentlich für seinen Trainer kämpfen musste und die Fans zugleich mit Flaschenwürfen reagieren, zählt am Ende nur das große Derby. Verliert Fenerbahçe gegen Galatasaray, dürfte die Diskussion um Kartals Zukunft in eine neue, diesmal wohl endgültige Runde gehen.
Quellen: aspor.com.tr, milliyet.com.tr
Titelbild: İsmail Kartal, Archivbild 2023, Вячеслав Евдокимов, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
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