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Wie der Mailänder Stadtderby zur größten Rivalität Italiens wurde

Von der Globalkick-Redaktion

4 Min. Lesezeit

Spielszene aus dem Mailänder Stadtderby zwischen Inter Mailand und AC Milan im Stadion San Siro

Foto: Cristianobarni / Depositphotos.com

Kein anderes Spiel in Italien polarisiert so sehr wie der Derby della Madonnina zwischen Inter Mailand und dem AC Mailand. Beide Klubs teilen sich seit mehr als hundert Jahren dasselbe Stadion, dieselbe Stadt – und eine Rivalität, die immer wieder Spiele hervorgebracht hat, über die noch Jahrzehnte später gesprochen wird.

Zwei Vereine, ein Stadion

Der AC Mailand und Inter Mailand sind die wohl seltsamste Konstellation des europäischen Fußballs: zwei Erzrivalen, die ihre Heimspiele im selben Stadion austragen, dem heutigen Stadio Giuseppe Meazza, besser bekannt als San Siro. Entstanden ist diese Nähe aus einer Trennung: Inter wurde 1908 von Mitgliedern gegründet, die sich vom AC Mailand abspalteten, weil sie anders als der Mutterverein auch ausländische Spieler verpflichten wollten. Aus dieser Trennung erwuchs eine Rivalität, die bis heute zweimal im Jahr das gesamte Mailänder Stadtbild in zwei Lager teilt – blau-schwarz gegen rot-schwarz. Seinen Namen verdankt das Derby übrigens der goldenen Statue der Madonnina auf der Kathedrale von Mailand, die über der ganzen Stadt und damit über beiden Vereinen thront – ein Sinnbild dafür, dass trotz aller Rivalität am Ende beide Klubs zur selben Stadt gehören.

Die Nacht mit elf Toren

Am 6. November 1949 erlebte San Siro das bis heute torreichste Derby della Madonnina aller Zeiten. Inter setzte sich mit 6:5 gegen den AC Mailand durch – ein Ergebnis, das in keiner anderen Auflage des Duells seither erreicht wurde. Elf Tore in einem einzigen Spiel sind selbst für ein Duell, das selten langweilig ist, eine Ausnahme geblieben und bis heute Teil der Derby-Folklore.

Meazza, der Mann mit zwei Trikots

Kaum ein Name ist mit der Geschichte des Mailänder Derbys so eng verbunden wie Giuseppe Meazza – ausgerechnet der Mann, nach dem das gemeinsame Stadion beider Klubs benannt ist. Meazza traf in den Derbys der Jahre 1938 und 1940 und hielt über Jahrzehnte den Rekord als bester Torschütze in direkten Duellen zwischen Inter und Milan, ehe er erst 2005 von einem Spieler der jüngeren Generation eingeholt wurde. Dass ausgerechnet das neutrale, von beiden Vereinen genutzte Stadion seinen Namen trägt, unterstreicht, wie sehr Meazza über die Vereinsgrenzen hinweg zur gemeinsamen Mailänder Fußballgeschichte gehört.

Schwarzer Tag für Inter

Die Geschichte des Derbys kennt auch Demütigungen. Am deutlichsten musste das Inter Mailand im Jahr 2001 erfahren, als der AC Mailand mit 6:0 gewann – bis heute der höchste Sieg in der Derby-Geschichte überhaupt. Andrij Schewtschenko erzielte an jenem Tag einen Doppelpack und war einer der Hauptakteure einer Partie, die lange als eine der dunkelsten Stunden der Vereinsgeschichte Inters galt.

Das Fernduell um den Henkelpott

Die wohl bedeutendste Auflage des Duells auf europäischer Bühne fand im Frühjahr 2003 statt, als sich Inter und Milan im Halbfinale der Champions League gegenüberstanden – ein seltenes rein Mailänder K.-o.-Duell in der Königsklasse. Das Hinspiel in Mailand endete torlos 0:0, im Rückspiel brachte ein Auswärtstor von Andrij Schewtschenko die Rossoneri zunächst in Führung, ehe Obafemi Martins für Inter in der 83. Minute noch zum 1:1 ausglich. Weil beide Partien identisch ausgingen, zog der AC Mailand über die Auswärtstorregel ins Finale ein, das er wenig später in Manchester gegen Juventus Turin gewann.

Die Scudetto-Nacht von 2024

Zur modernen Legende wurde das Derby zuletzt am 22. April 2024. Inter gewann auswärts beim AC Mailand mit 2:1 und sicherte sich damit seinen 20. italienischen Meistertitel – zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs wurde die Meisterschaft direkt im Mailänder Stadtderby entschieden. Für Inter-Fans war es der perfekte Moment, um den Titel ausgerechnet im Stadion zu feiern, das sie sich mit dem Rivalen teilen.

Warum das Duell gerade jetzt wieder besonders brisant ist

Für die aktuelle Saison sorgt vor allem eine Konstante für zusätzliche Würze: Inter Mailand steht derzeit an der Spitze der Serie A. Jedes Mailänder Derby wird dadurch automatisch zu einem Prestigeduell mit sportlichem Gewicht – unabhängig davon, wie die Tabelle an einem bestimmten Spieltag gerade aussieht. Für den AC Mailand ist ein Erfolg gegen den Stadtrivalen traditionell einer der wenigen Siege, die selbst eine schwierige Saison im Rückblick erträglicher machen. Für Inter wiederum wäre eine Niederlage ausgerechnet gegen Milan der größte Makel einer ansonsten starken Spielzeit.

Was den Derby della Madonnina von vielen anderen Stadtduellen Europas unterscheidet, ist genau diese Mischung: eine über hundertjährige gemeinsame Geschichte, geteilte Stadion-Erinnerungen und ein Ergebnis-Archiv, das von historischen Kantersiegen bis zu Meisterschaftsentscheidungen reicht. Wer auch immer am Ende der aktuellen Saison oben steht – die nächste Kapitel-Nummer in dieser Rivalität wird mit Sicherheit nicht die letzte sein.

Quellen: Wikipedia – Derby della Madonnina, Inter.it, UEFA.com