Mehr als drei Jahre ist es her, dass Mesut Özil seine Fußballkarriere beendete – mitten in der Saison, ohne große Abschiedstournee. Dabei war er über ein Jahrzehnt einer der begabtesten Spielmacher des europäischen Fußballs. Heute ist es still geworden um ihn.
Vom Ruhrgebiet zum Weltmeister
Özil durchlief die Jugend mehrerer Gelsenkirchener Vereine, ehe er bei Schalke 04 den Sprung in den Profifußball schaffte. Über Werder Bremen, wo er sich als kreativer Kopf einen Namen machte, führte sein Weg 2010 zu Real Madrid. Dort gehörte er unter José Mourinho zu den besten Vorlagengebern Europas. 2014 wurde Özil mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister – der Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere. Ein Jahr zuvor, 2013, war er bereits für eine damalige Rekordablöse zum FC Arsenal gewechselt.
Der Bruch mit dem DFB
Zum Wendepunkt seiner öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland wurde ein Foto: Im Mai 2018 ließ sich Özil gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen Ilkay Gündoğan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ablichten, kurz vor der Weltmeisterschaft in Russland. Die Aufnahme löste eine monatelange öffentliche Debatte aus. Nach dem frühen WM-Aus der deutschen Mannschaft erklärte Özil im Juli 2018 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft und beklagte dabei, mit zweierlei Maß gemessen worden zu sein: „Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren.“ Mit 92 Länderspielen für Deutschland beendete er damit seine internationale Karriere.
Unruhige letzte Jahre bei Arsenal
Auch beim FC Arsenal verlor Özil in seinen letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Unter Trainer Mikel Arteta gehörte er zeitweise gar nicht mehr zum Kader, ehe sein Vertrag 2021 aufgelöst wurde. Es folgte der Wechsel in die Türkei zu Fenerbahçe Istanbul.
Karriereende bei Basaksehir
Über Fenerbahçe kam Özil schließlich zu Istanbul Başakşehir, wo seine aktive Laufbahn im Februar 2023 endete. Anhaltende Rückenprobleme hatten ihn zuvor zu einer verletzungsgeprägten Saison gezwungen, in acht Spielen gelangen ihm weder Tor noch Vorlage. Nach einer Partie gegen Kayserispor, in der er erstmals wieder in der Startelf gestanden hatte und zur Halbzeit ausgewechselt wurde, informierte Özil seinen Verein, dass er nicht mehr zum Training erscheinen und seine Karriere beenden werde.
Eine Karrierebilanz mit Gewicht
Die Zahlen seiner Laufbahn lesen sich beeindruckend: mehr als 600 Pflichtspiele, 114 Tore und 221 Vorlagen für seine Vereine, dazu der WM-Titel 2014, die spanische Meisterschaft mit Real Madrid, ein DFB-Pokal-Sieg mit Werder Bremen und gleich vier FA-Cup-Titel mit Arsenal. Kaum ein deutscher Spieler seiner Generation gilt als technisch so begabt wie Özil, dessen Präzision im letzten Drittel des Feldes über Jahre zu den besten Europas zählte.
Das Leben nach dem Fußball
Seit seinem Rücktritt lebt Özil nach Medienberichten zurückgezogen am Rande Istanbuls und meidet den Kontakt zu deutschen Medien weitgehend. Öffentlich in Erscheinung trat er in den vergangenen Jahren vor allem abseits des Fußballs: 2025 wurde er als eines von 39 neuen Mitgliedern in den Vorstand der türkischen Regierungspartei AKP berufen, die von Präsident Erdoğan geführt wird. Auf seinen Social-Media-Kanälen teilt Özil regelmäßig Einblicke in sein Familienleben und in sein Fitnessprogramm, mit dem er sich nach eigenen Angaben körperlich stark verändert hat. Eine 2023 gezeigte Tätowierung mit einem Symbol der rechtsextremen „Grauen Wölfe“ sorgte zudem für kritische Berichterstattung in deutschen Medien.
Ausblick
Drei Jahre nach seinem Rücktritt ist es um Özil sportlich still geworden – ein Comeback gilt angesichts seiner anhaltenden Rückenprobleme als ausgeschlossen. Seine Karriere bleibt zwiespältig in Erinnerung: als eine der elegantesten Spielmacher-Karrieren des deutschen Fußballs einerseits, geprägt von einem bitteren öffentlichen Bruch mit dem DFB andererseits. Für die deutsche Fußballöffentlichkeit bleibt er damit eine Figur, über die auch Jahre nach seinem letzten Pflichtspiel noch diskutiert wird.
Quellen: zdfheute.de, goal.com
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