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Wie Fernando Torres zur Identifikationsfigur des Atlético Madrid wurde

Von der Globalkick-Redaktion

3 Min. Lesezeit

Fernando Torres in Trikot von Atlético Madrid

Foto: Maxisports / Depositphotos.com

Als Fernando Torres am letzten Spieltag der Saison 2017/18 im Wanda Metropolitano zum Mittelkreis geht, hängt über der Tribune ein Banner: „From Child To Legend“ – vom Kind zur Legende. Er hat gerade beide Tore beim 2:2 gegen Eibar erzielt, sein letztes Spiel für Atlético Madrid, und hält eine kleine Rede an die Fans, begleitet von seiner Familie. Es ist der emotionale Schlusspunkt einer Geschichte, die 17 Jahre zuvor begonnen hatte.

Ein 17-Jähriger aus Fuenlabrada

Torres wurde im März 1984 in Fuenlabrada bei Madrid geboren und durchlief komplett die Jugend von Atlético. Am 27. Mai 2001, mit erst 17 Jahren, gab er im damaligen Vicente-Calderón-Stadion gegen Leganés sein Debut für die erste Mannschaft, die damals in der Segunda División spielte. Sieben Tage später erzielte er sein erstes Tor und schoss Atlético zum Sieg gegen Albacete. Schon mit 19 Jahren wurde er 2005 zum jüngsten Kapitän der Vereinsgeschichte ernannt – ein Vertrauensbeweis, den der Verein sonst erfahrenen Spielern vorbehielt.

El Niño ohne Titel

In seiner ersten Zeit bei Atlético zwischen 2001 und 2007 wurde Torres zum Publikumsliebling: über 90 Tore, der Spitzname „El Niño“, ein Stadion, das ihn feierte, obwohl der große Titel ausblieb. 2007 wechselte er für eine Rekordablöse zum FC Liverpool, ohne mit seinem Jugendverein jemals einen wichtigen Pokal geholt zu haben – ein Umstand, der ihn nach eigenen Aussagen über Jahre begleitete. In England und später bei Chelsea entwickelte sich Torres zu einem der gefragtesten Stürmer Europas und gewann mit der spanischen Nationalmannschaft die Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie die Weltmeisterschaft 2010, dazu mit Chelsea die Champions League 2012 und zweimal die Europa League.

Die Rückkehr im Januar 2015

Im Januar 2015 kehrte Torres, mittlerweile 30 Jahre alt, von AC Milan zu Atlético zurück – diesmal nicht als unumstrittener Stammspieler, sondern als Routinier, der seinem Jugendverein noch einmal etwas zurückgeben wollte. In seiner zweiten Zeit in Madrid kam er auf rund 27 Tore in gut 100 Pflichtspielen, deutlich weniger als in seiner ersten Phase, aber genau in dieser Zeit holte er endlich den Titel, der ihm all die Jahre gefehlt hatte.

Der Europa-League-Triumph als Erlösung

Im Mai 2018 gewann Atlético in Lyon das Europa-League-Finale mit 3:0 gegen Olympique Marseille – für Torres der erste große Titel mit seinem Herzensverein, elf Jahre nachdem er ihn ohne Pokal Richtung England verlassen hatte. Vier Tage später folgte das emotionale Abschiedsspiel gegen Eibar mit seinem Doppelpack. Über beide Zeiten bei Atlético zusammengerechnet kam Torres auf 128 Tore in 404 Pflichtspielen für den Verein.

Vom Profi zum Trainer der nächsten Generation

Nach seinem endgültigen Karriereende begann Torres bei Atlético eine zweite Laufbahn als Trainer. Er übernahm zunächst die U19-Mannschaft, mit der er zwei Meistertitel und einen Pokal gewann und das Halbfinale der UEFA Youth League erreichte, ehe er zur Reservemannschaft Atlético Madrid B aufstieg, die er bis heute betreut. Damit gibt er sein Wissen genau dort weiter, wo seine eigene Geschichte einst begann.

Warum die Geschichte heute wieder erzählt wird

Wenn Atlético an diesem Dienstag im Metropolitano den FC Bayern empfängt, stärkt kaum eine Geschichte das Selbstverständnis des Vereins so sehr wie die von Torres: ein Junge aus der eigenen Jugend, der nach Jahren in der Fremde zurückkehrte, seinem Verein den lang ersehnten Titel schenkte und heute die nächste Generation ausbildet. Genau jene Mischung aus Geduld, Loyalität und Siegeswillen, für die Trainer Diego Simeone seine Mannschaften seit Jahren formt, hat Torres in seiner eigenen Karriere exemplarisch vorgelebt.

Quellen: ESPN, Atlético de Madrid