Kaum ein Spieler hat die Art, wie in Europa Fußball gedacht wird, so verändert wie Johan Cruyff. Mit Ajax Amsterdam und später dem FC Barcelona machte er das Totaalvoetbal – das totale Fußballspiel – zu einer Spielphilosophie, die bis in die heutige Zeit nachwirkt. Als Spieler dreimaliger Weltfußballer, als Trainer Architekt des legendären „Dream Team“ von Barcelona: Cruyffs Geschichte ist die Geschichte einer Idee, die größer wurde als jeder einzelne Titel.
Der Junge aus der Nachbarschaft des Ajax-Stadions
Geboren 1947 in Amsterdam, wuchs Johan Cruyff buchstäblich im Schatten des Ajax-Stadions auf; seine Mutter arbeitete im Verein als Putzkraft. Schon mit zehn Jahren kam er in die Jugendabteilung, mit 17 debütierte er in der ersten Mannschaft. Was folgte, war der Beginn einer neun Spielzeiten dauernden Erfolgsgeschichte: Mit Ajax gewann Cruyff sechs niederländische Meisterschaften, vier nationale Pokale und dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister – 1971, 1972 und 1973.
Totaalvoetbal: Jeder kann jede Position spielen
Gemeinsam mit Trainer Rinus Michels entwickelte Cruyff bei Ajax jene Spielidee, die später als Totaalvoetbal in die Fußballgeschichte einging: Spieler sollten nicht starr an eine Position gebunden sein, sondern fließend die Räume besetzen, die der Gegner gerade freigab. Verteidiger stürmten nach vorn, Stürmer halfen hinten aus – ein System, das enorme taktische Intelligenz und Laufbereitschaft voraussetzte und das Cruyff als technisch und kopfballmäßig wenig herausragender, aber taktisch brillanter Spieler perfekt verkörperte. Für diese Leistungen wurde er dreimal zu Europas Fußballer des Jahres gewählt – 1971, 1973 und 1974.
Der Wechsel nach Barcelona und die Drehung, die seinen Namen trägt
1973 wechselte Cruyff für eine damalige Rekordablöse von umgerechnet rund zwei Millionen Dollar zum FC Barcelona – und führte den Klub bereits in seiner ersten Saison zur ersten spanischen Meisterschaft seit 1960. Ein Jahr später, bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland, wurde er mit den Niederlanden Finalist und lieferte nebenbei eine Bewegung, die bis heute seinen Namen trägt: Im Spiel gegen Schweden täuschte er einen Schuss an, zog den Ball stattdessen hinter dem eigenen Standbein vorbei und ließ seinen Gegenspieler stehen – die „Cruyff-Drehung“ war geboren und gehört seither zum festen technischen Repertoire im Weltfußball.
Als Trainer baute er Barcelonas Dream Team
Nach dem Karriereende 1984 übertrug Cruyff seine Spielidee auf die Trainerbank. Bei Ajax gewann er 1987 den Europapokal der Pokalsieger, ehe ihn Barcelona 1988 als Cheftrainer verpflichtete. Dort formte er das sogenannte „Dream Team“ rund um Spieler wie Pep Guardiola, mit dem er zwischen 1991 und 1994 viermal in Folge die spanische Meisterschaft gewann. 1992 krönte er diese Ära mit dem ersten Gewinn des Europapokals der Landesmeister in der Vereinsgeschichte, einem 1:0-Erfolg nach Verlängerung gegen Sampdoria Genua im Wembley-Stadion.
Eine Idee, die Guardiola und viele andere prägte
Cruyffs größtes Vermächtnis ist vielleicht nicht die Liste seiner Titel, sondern die Art, wie seine Spielidee spätere Trainergenerationen beeinflusste. Pep Guardiola, einst sein Mittelfeldspieler im Dream Team, machte das ballbesitzorientierte Positionsspiel später bei Barcelona, Bayern München und Manchester City zu seinem eigenen Markenzeichen – unverkennbar in der Tradition dessen, was Cruyff in Amsterdam und Barcelona vorgedacht hatte. Auch die spanische Nationalmannschaft, die zwischen 2008 und 2012 drei große Turniere in Serie gewann, spielte eine Variante des von Cruyff geprägten Ballbesitzfußballs.
Bis heute im Herzen zweier Klubs präsent
Johan Cruyff starb im März 2016 im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. In Amsterdam trägt das Stadion der Ajax-Heimspiele seinen Namen, in Barcelona erinnert eine Tribüne im Camp Nou an ihn. Beide Klubs, die bis heute stolz auf ihre fußballerische Identität sind, verdanken diese Identität zu großen Teilen einem Spieler, der schon in den siebziger Jahren überzeugt war, dass Fußball mehr sein kann als nur Tore und Ergebnisse – nämlich eine durchdachte Idee davon, wie das Spiel gespielt werden sollte.
Quellen: en.wikipedia.org/wiki/Johan_Cruyff, footballhistory.org
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