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Juventus gegen Napoli – eine Rivalität, die mit Maradona begann

Von der Globalkick-Redaktion

3 Min. Lesezeit

Spielszene aus einem Duell zwischen Juventus Turin und dem SSC Neapel

Foto: Vincenzolzzo / Depositphotos.com

Wenn Juventus und Napoli aufeinandertreffen, geht es in Italien nie nur um drei Punkte. Es ist das Duell, das wie kein zweites für die Kluft zwischen Norden und Süden steht – zwischen dem reichsten Klub des Landes und dem ewigen Herausforderer aus Kampanien. An diesem Wochenende treffen beide erneut aufeinander, punktgleich und beide mit etwas zu beweisen.

Zwei Welten, ein Land

Die Rivalität zwischen Juventus und Napoli reicht über den Sport hinaus. Juventus gilt seit Jahrzehnten als Klub des industriellen Nordens, getragen vom Agnelli-Imperium und Fiat, mit Fans in ganz Italien. Napoli dagegen steht für den oft als vernachlässigt empfundenen Süden – einen Klub, der lange als ewiger Außenseiter im Schatten der großen Norditaliener galt. Dieses Gefälle zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen Macht und Stolz, machte aus jedem Aufeinandertreffen weit mehr als ein gewöhnliches Ligaspiel – für viele Napoli-Fans war und ist jeder Sieg gegen Juventus ein kleiner Triumph des Südens über den Norden.

Platini gegen Maradona

Ihren ersten großen Höhepunkt erlebte die Rivalität in den 1980er-Jahren, als mit Michel Platini bei Juventus und Diego Maradona bei Napoli zwei der größten Spieler ihrer Generation aufeinanderprallten. Platini verkörperte die Dominanz des Nordens, Maradona wurde in Neapel zur Erlöserfigur: Am 5. Juli 1984 hatte der SSC Napoli den Argentinier vom FC Barcelona verpflichtet, mitten in einer Zeit, in der der Klub sportlich kaum eine Rolle spielte. Mit Maradona begann das goldene Zeitalter des Vereins – ein einzelner Spieler, der einer ganzen Stadt neues Selbstbewusstsein gab.

Der unmögliche Freistoß

Zum Symbolbild der Rivalität wurde ein einzelner Moment: Am 3. November 1985 verwandelte Maradona im alten Stadio San Paolo gegen Juventus einen Freistoß aus kaum zu bewerkstelligender Position – ein Treffer, den die italienische Presse bis heute „il gol impossibile“ nennt. Zwei Jahre später, am 29. März 1987, lieferten sich Maradona und Platini in einem weiteren direkten Duell gegenseitige Vorlagen, ehe Napoli in jener Saison 1986/87 mit Maradona seinen ersten Scudetto gewann – drei Punkte vor Juventus und als erster süditalienischer Klub überhaupt. Für Neapel war dieser Titel weit mehr als ein sportlicher Erfolg: Er galt als Beweis, dass der Süden den reichen Klubs des Nordens auch ohne deren Ressourcen Paroli bieten konnte.

Ein Abschied mit Schatten

So groß Maradonas Ruhm in Neapel war, so bitter endete seine Zeit dort: 1991 verließ er den Klub inmitten eines Dopingskandals und persönlicher Probleme. Erst Jahrzehnte später, unter Trainer Luciano Spalletti, gelang Napoli 2023 wieder ein Meistertitel – der erste seit der Maradona-Ära. Ausgerechnet Spalletti sitzt nun, nach seinem Wechsel zu Juventus, auf der anderen Seite dieser Rivalität und trifft mit den Bianconeri auf den Klub, mit dem er selbst Geschichte geschrieben hat.

Eine Rivalität, die bis heute lebt

Auch Jahrzehnte später ist von dieser emotionalen Aufladung nichts verloren gegangen. Für Fans im Süden bleibt jedes Duell mit Juventus eine Gelegenheit, dem vermeintlich übermächtigen Norden etwas entgegenzusetzen, während Juventus-Anhänger das Spiel traditionell als Pflichtsieg gegen einen ewigen Herausforderer betrachten. Dazwischen liegen all die Transferquerelen, Schiedsrichter-Debatten und politischen Untertöne, die das Duell über die Jahre zusätzlich aufgeladen haben. Kaum ein anderes Spiel in Italien wird außerhalb der Stadien so intensiv diskutiert wie dieses.

Punktgleich vor dem nächsten Kapitel

Zum jüngsten Kapitel treffen beide Mannschaften mit denkbar unterschiedlichem Schwung aufeinander. Napoli reist nach einem deutlichen 4:1-Erfolg in Monza mit breiter Brust an, Juventus dagegen will nach einer überraschenden 0:2-Niederlage in Genua und wachsendem Druck auf Trainer Spalletti ein Zeichen setzen. Beide Teams stehen nach neun Spieltagen punktgleich da – ein Umstand, der dem nächsten Kapitel der Rivalität zusätzliche Brisanz verleiht und Spalletti persönlich unter besondere Beobachtung stellt.

Unabhängig vom Ausgang: Juventus gegen Napoli bleibt eines jener Spiele, bei denen die Geschichte immer mitspielt – und bei denen ein einzelner Moment, wie einst Maradonas Freistoß, genügen kann, um Jahrzehnte später noch erzählt zu werden.

Quellen: en.wikipedia.org, goal.com