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El Gran Derbi: Wie sich Sevilla in einer Stadt entzweite

Von der Globalkick-Redaktion

3 Min. Lesezeit

Fußballszene beim Derby zwischen FC Sevilla und Real Betis

Foto: Mrogowski_photography / Depositphotos.com

Wenn der FC Sevilla und Real Betis aufeinandertreffen, steht in der andalusischen Hauptstadt der Alltag still. El Gran Derbi, „das große Derby“, teilt Sevilla seit über einem Jahrhundert in zwei Lager – und das, obwohl beide Klubs nur wenige Kilometer voneinander entfernt ihre Heimspiele austragen.

Zwei Vereine, eine Stadt

Der FC Sevilla wurde bereits 1890 gegründet und ist damit einer der ältesten Fußballklubs Spaniens. Real Betis entstand 1907 als eigenständiger Verein und erhielt seine heutige Form 1914 durch den Zusammenschluss mit Sevilla Balompié. Von Anfang an standen sich beide Klubs nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich gegenüber: Sevilla FC wurde traditionell eher mit dem wohlhabenderen Teil der Stadt in Verbindung gebracht, Real Betis mit den Arbeitervierteln. Diese Trennlinie verlief – anders als bei vielen anderen Derbys – nicht entlang politischer Lager, sondern mitten durch Nachbarschaften und sogar durch einzelne Familien.

Das erste Duell und ein Rekordspiel

Das erste Aufeinandertreffen der beiden Klubs fand am 8. Oktober 1915 statt, Sevilla gewann mit 4:3. Das erste Pflichtspiel im Rahmen eines offiziellen Wettbewerbs folgte 1928 im Copa del Rey. Als torreichste Partie der Rivalität gilt bis heute ein 4:3-Heimsieg Sevillas aus der Saison 1939/40 – ein Ergebnis, das zeigt, wie sehr sich beide Mannschaften in diesem Duell traditionell wenig schenken.

Zwei Stadien, eine Entfernung von wenigen Kilometern

Sevilla trägt seine Heimspiele im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán aus, Real Betis im Estadio Benito Villamarín. Beide Arenen liegen nur eine kurze Autofahrt voneinander entfernt, was die Rivalität im Alltag der Stadt noch greifbarer macht: Fans beider Lager leben in denselben Vierteln, arbeiten in denselben Betrieben und müssen sich an Derbytagen regelmäßig neu positionieren.

Bittere Niederlagen und große Pokalerfolge

Zu den schmerzhaftesten Erinnerungen für Betis-Fans zählt eine 1:5-Heimniederlage im November 2012. Sevilla setzte in den vergangenen Jahren zudem im Pokal Akzente: In der Saison 2015/16 gewann der Klub das Viertelfinale des Copa del Rey gegen den Stadtrivalen über beide Spiele mit insgesamt 6:0. Solche Ergebnisse brennen sich in einer Rivalität, die über Generationen weitergegeben wird, besonders tief ein.

Die Bilanz nach 144 Spielen

Bis heute standen sich beide Klubs in allen Wettbewerben 144 Mal gegenüber. Sevilla gewann 66 dieser Partien, Real Betis 42, 36 Spiele endeten unentschieden. In der Addition aller Tore führt Sevilla mit 216:167 Treffern. Keine Spieler kennt das Derby so gut wie Jesús Navas: Der Sevilla-Eigengewächs bestritt 28 Ausgaben von El Gran Derbi – ein Rekord, der die enge Verbindung vieler Spieler zu diesem einen Spiel unterstreicht.

Mehr als nur drei Punkte

Was El Gran Derbi von vielen anderen Stadtderbys in Europa unterscheidet, ist die Beständigkeit der Rivalität über mehr als ein Jahrhundert hinweg, ohne dass einer der beiden Klubs über lange Phasen klar dominiert hätte. Mal spielte Sevilla international, mal Betis – die gegenseitige Herausforderung blieb über all die Jahre bestehen. Für die Menschen in der Stadt ist das Derby deshalb weit mehr als ein gewöhnliches Ligaspiel: Es ist ein wiederkehrender Moment, in dem sich entscheidet, wer in Sevilla zumindest für ein paar Tage das letzte Wort hat.

Quellen: Wikipedia – Seville derby, football-espana.net