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Revierderby: Wie aus Dortmund gegen Schalke die schärfste Rivalität des deutschen Fußballs wurde

Von der Globalkick-Redaktion

3 Min. Lesezeit

Fans im Borussia-Park/Ruhrgebiet-Stadion beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04

Foto: Vitaliivitleo / Depositphotos.com

Am ersten Dezember-Wochenende ist es wieder so weit: Schalke 04 empfängt Borussia Dortmund zum 101. Bundesliga-Duell der beiden Revierklubs – dem ersten in der höchsten deutschen Spielklasse seit drei Jahren. Kaum eine andere Partie im deutschen Fußball trägt so viel Geschichte, Identität und Härte in sich wie das Revierderby.

Zwei Städte, eine Herkunft

Gelsenkirchen und Dortmund liegen nur gut 20 Autominuten auseinander, mitten im Ruhrgebiet, einem Ballungsraum mit mehr als fünf Millionen Menschen. Schalke steht für die Bergarbeiterstadt Gelsenkirchen und die Kohlezechen, Dortmund für Stahl und Bier. Lange galten beide Städte als wirtschaftlich und kulturell eng verwandt – die Rivalität zwischen ihren Vereinen entstand nicht sofort, sondern wuchs erst mit der Zeit.

Vom ungleichen Duell zur echten Rivalität

Schalke gewann das erste Aufeinandertreffen 1924/25 und dominierte die folgenden Jahre deutlich – befeuert von sechs deutschen Meistertiteln zwischen 1934 und 1942, die den Klub zur bestimmenden Kraft im westdeutschen Fußball machten. Den Wendepunkt markierte erst die Saison 1946/47: Im Finale um die Westfalenmeisterschaft gewann Dortmund mit 3:2 gegen Schalke – nur der zweite Dortmunder Sieg in 24 Duellen, aber der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Nach Recherchen von ESPN verschärfte sich die Rivalität endgültig, als das Ruhrgebiet zwischen den späten 1950er- und 1970er-Jahren durch massenhafte Zechenschließungen und steigende Arbeitslosigkeit wirtschaftlich ins Wanken geriet. Der Lokalstolz der beiden Arbeiterstädte suchte sich ein neues Ventil – den Fußball.

Hunde, Löwen und gestohlene Banner

Wie emotional das Derby werden kann, zeigen einige kuriose und unschöne Kapitel seiner Geschichte. Am 6. September 1969 kam es im überfüllten Dortmunder Stadion Rote Erde zu Ausschreitungen, bei denen ungezähmte Polizeihunde zwei Schalker Spieler bissen – ein Vorfall, der danach bundesweit zur Einführung von Stadionzäunen führte. Im Januar 1970 revanchierten sich Schalker auf ihre Weise: Für das nächste Derby mieteten sie vier Löwen aus einem Safaripark. Jahrzehnte später griffen Fans zu anderen Mitteln: 2006 stahlen Schalker Ultras das berühmte Spruchband der Dortmunder „Gelbe Wand“, 2009 zerschnitten sie ein weiteres Banner bei einem Heimspiel in Gelsenkirchen.

Der Torwart, der selbst traf

Neben der Härte hat das Revierderby auch kuriose Fußball-Momente hervorgebracht. Am 19. Dezember 1997 gelang Schalke-Torhüter Jens Lehmann aus dem offenen Spiel heraus ein später Ausgleichstreffer – bis heute das erste Bundesliga-Tor eines Torwarts aus dem laufenden Spiel. In derselben Saison feierten beide Klubs europäischen Erfolg innerhalb weniger Tage: Schalke gewann den UEFA-Pokal, Dortmund die Champions League – ein einmaliger Doppelerfolg für das Revier auf internationaler Bühne.

Die nackten Zahlen

In der Gesamtbilanz aller Pflichtspiele liegt Dortmund knapp vorn: 34 Siegen stehen 32 Schalker Erfolge gegenüber, 30 Partien endeten unentschieden. Auch bei den erzielten Toren hat der BVB mit 149:137 die Nase vorn. Zwischen 1968 und 1977 allerdings blieb Schalke zwölf Duelle in Folge gegen die Borussia ungeschlagen – ein Beleg dafür, wie sehr sich die Kräfteverhältnisse über die Jahrzehnte verschoben haben.

Rückkehr nach drei Jahren

Nach dem Aufstieg als Meister der 2. Bundesliga ist Schalke seit dieser Saison zurück in der Bundesliga – und damit auch das Revierderby. Das Hinspiel in Gelsenkirchen steigt am 12. Spieltag Anfang Dezember, das Rückspiel im April in Dortmund. Sportlich ist die Ausgangslage denkbar ungleich: Schalke kämpft nach schwachem Saisonstart gegen den Abstieg, während Dortmund im oberen Tabellendrittel mitspielt. Doch im Revierderby zählen Tabellenplätze erfahrungsgemäß wenig – zu groß ist die Symbolkraft eines Spiels, das für zwei Städte weit mehr bedeutet als drei Punkte.

Quellen: espn.com, onefootball.com, bundesliga.com