Wenn Juventus und Inter Mailand aufeinandertreffen, steht in Italien der gesamte Fußball still – obwohl die beiden Klubs mehr als 500 Kilometer trennen und keine gemeinsame Stadt verbindet. „Derby d’Italia“ nennt man dieses Duell seit Jahrzehnten, und kaum eine andere Partie zeigt so deutlich, wie zwei Vereine über Generationen zu nationalen Symbolfiguren werden können – der eine für den Nord-Westen und die Industriellenfamilie Agnelli, der andere für Mailand und das alte Geld der Familie Moratti.
Woher der Name stammt
Geprägt hat den Begriff der italienische Journalist Gianni Brera im Jahr 1967. Er wollte damit ausdrücken, dass dieses Duell über die übliche Bedeutung eines Lokalderbys hinausgeht: Juventus und Inter waren schon damals zwei der erfolgreichsten und am meisten verehrten Klubs des Landes, mit Anhängern in ganz Italien statt nur in einer Stadt. Der Name hat sich seither gehalten und wird bis heute für jede Begegnung der beiden Vereine verwendet.
Der Ursprung: ein Duell um Titel in den Dreißigern
Die eigentlichen Wurzeln der Rivalität reichen aber weiter zurück, in die 1930er-Jahre. In jenem Jahrzehnt teilten sich Juventus und Inter einen Großteil der italienischen Meisterschaften unter sich auf – eine Dominanz, die beide Klubs schon damals zu den Gradmessern des italienischen Fußballs machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärfte sich der Ton zusätzlich: In einer besonders aufgeladenen Phase lief Inter aus Protest gegen die Ansetzung mit einer reinen Reservemannschaft auf und verlor das Spiel mit 1:9 – Juventus sicherte sich in jener Saison den Titel.
Zwei Vereine, zwei Selbstbilder
Ein Teil der Rivalität speist sich bis heute aus dem Gegensatz der Selbstbilder. Juventus, lange von der Industriellenfamilie Agnelli (Fiat) geprägt, gilt vielen Italienern außerhalb Turins als der Klub des Establishments, mit einer Fanbasis, die sich über das ganze Land erstreckt. Inter positioniert sich dagegen traditionell als Gegenentwurf: ein Verein, der nach eigenem Selbstverständnis nie mit Verbänden oder Schiedsrichtern unter einer Decke steckt und stolz auf seine Mailänder Wurzeln ist, über Jahrzehnte geprägt von der Unternehmerfamilie Moratti.
Calciopoli verändert alles
Den bis heute tiefsten Einschnitt brachte der Calciopoli-Skandal im Jahr 2006. Ermittlungen deckten auf, dass mehrere italienische Spitzenklubs versucht hatten, Einfluss auf die Ansetzung von Schiedsrichtern zu nehmen. Juventus traf es am härtesten: Der Klub wurde in die Serie B zwangsversetzt, der Meistertitel der Saison 2005/06 aberkannt und der Titel aus der Vorsaison nachträglich gestrichen. Inter, das in diese Affäre nicht in vergleichbarer Form verwickelt war, bekam die Meisterschaft 2005/06 am grünen Tisch zugesprochen. Für Juventus-Anhänger gilt diese Entscheidung bis heute als Wunde, für Inter-Fans als später Ausgleich gegen einen übermächtigen Rivalen.
Die Rivalität heute
Seit Calciopoli hat sich an der Schärfe des Duells wenig geändert, eher im Gegenteil: Jede Begegnung zwischen Juventus und Inter wird in Italien als Gradmesser dafür gelesen, wer den Ton in der Serie A angibt, unabhängig von der aktuellen Tabellensituation. Für Spieler auf beiden Seiten gilt ein Sieg im Derby d’Italia bis heute als eigene kleine Trophäe innerhalb der Saison – ein Resultat, das in Turin wie in Mailand über Wochen nachwirkt.
Ausblick
Auch in dieser Saison dürfte das Duell wieder zum Prüfstein werden: Beide Klubs mischen im oberen Tabellendrittel von Serie A und Champions League mit, und beide wissen, dass ein Erfolg gegen den historischen Rivalen mehr zählt als drei gewöhnliche Punkte. Die Geschichte des Derby d’Italia zeigt, dass genau dieser Anspruch seit fast einem Jahrhundert der eigentliche Kern der Rivalität ist.
Quellen: Wikipedia: Derby d’Italia, NSS Sports
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