Bis zum Jahr 2000 hatte noch nie ein türkischer Verein einen Europapokal gewonnen. Dann kam eine Mannschaft, die bis heute in der Türkei wie eine Heldentruppe verehrt wird. Ihr größter Abend fand am 17. Mai 2000 in Kopenhagen statt.
Eine Mannschaft voller Charakter
Trainer Fatih Terim hatte in Istanbul eine Elf zusammengestellt, die türkische Leidenschaft mit internationaler Klasse verband. Im Tor stand der brasilianische Weltmeister Cláudio Taffarel, in der Abwehr der rumänische Routinier Gheorghe Popescu. Im Mittelfeld zog Gheorghe Hagi die Fäden, den sie in Rumänien den „Maradona der Karpaten“ nannten. Vorne traf Hakan Şükür, dazu kamen Spieler wie Bülent Korkmaz, Ümit Davala, Okan Buruk und Emre Belözoğlu.
Galatasaray war in dieser Saison als Gruppendritter der Champions League in den UEFA-Pokal gerutscht, immerhin vor dem AC Mailand. Dort spielte sich die Mannschaft bis ins Endspiel und schaltete auf dem Weg unter anderem Borussia Dortmund, den RCD Mallorca und Leeds United aus.
Das Finale gegen Arsenal
Im Endspiel im Kopenhagener Parken-Stadion wartete Arsenal, mit Stars wie Thierry Henry, Dennis Bergkamp, Patrick Vieira und Tony Adams und mit Trainer Arsène Wenger an der Seitenlinie. Galatasaray war klarer Außenseiter.
Doch die Türken hielten mit, Arsenal fand kein Mittel gegen die starke Abwehr und gegen Taffarel. Nach 90 Minuten stand es 0:0, es ging in die Verlängerung. Und dort kam der Moment, der das Spiel hätte kippen können: Hagi geriet mit Tony Adams aneinander und sah die Rote Karte. Galatasaray musste die restliche Verlängerung mit zehn Mann überstehen.
Taffarel, Popescu und die Entscheidung
Galatasaray rettete das 0:0 ins Elfmeterschießen, und dort zeigte die Mannschaft Nerven aus Stahl. Ergün Penbe, Hakan Şükür und Ümit Davala verwandelten sicher. Auf der anderen Seite scheiterten Davor Šuker am Pfosten und Patrick Vieira an der Latte.
Den entscheidenden Elfmeter schoss ausgerechnet ein Verteidiger: Gheorghe Popescu. Er traf zum 4:1 im Elfmeterschießen, und Galatasaray war UEFA-Pokal-Sieger, der erste türkische Klub mit einem Europapokal.
Ein Land feiert
In Istanbul und in vielen türkischen Städten strömten in dieser Nacht Hunderttausende auf die Straßen. Auch in Deutschland feierten türkischstämmige Fans in den großen Städten bis in den Morgen. Der Titel war weit mehr als ein Sieg für Galatasaray: Für viele war es der Moment, in dem der türkische Fußball in Europa endlich ernst genommen wurde.
Und die Geschichte ging weiter. Wenige Monate später schlug Galatasaray im europäischen Supercup Real Madrid mit 2:1 nach Verlängerung, Mário Jardel traf mit einem Golden Goal per Elfmeter. Zwei Jahre danach wurde die Türkei bei der WM 2002 sensationell Dritte, und viele Spieler der Kopenhagen-Elf waren wieder dabei.
Warum die Generation bis heute zählt
Seit diesem Abend hat kein anderer türkischer Klub einen großen Europapokal gewonnen. Die Mannschaft von 2000 ist deshalb bis heute der Maßstab, an dem sich jede neue Galatasaray-Generation messen lassen muss. Und jedes Mal, wenn Galatasaray in Europa ein großes Spiel bestreitet, erinnern die Fans an Kopenhagen, an Hagis Rote Karte und an Popescus Elfmeter.
Quellen: UEFA, Wikipedia (UEFA-Pokal 1999/2000, Galatasaray Istanbul)
Titelbild: Gheorghe Hagi, Mittelfeldspieler von Galatasaray beim UEFA-Pokal-Sieg 2000 (Archivbild), Dan Avraham2000, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
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